Goldene nordische Ornament-Trennlinie mit Knotenmuster auf dunklem Hintergrund.

Scrimshaw – gravieren unter dem Mikroskop

Feine Linien, ruhige Hand und viel Geduld – Scrimshaw macht aus Horn und Knochen detailreiche, dauerhafte Unikate.

Scrimshaw-Anhänger mit Gravur einer mythologischen Szene, neben einer 2-Euro-Münze zum Größenvergleich.

Den meisten wird der Begriff „Scrimshaw“ kaum bekannt sein. Eher hat man vielleicht schon einmal ein graviertes Pulverhorn oder einen verzierten Walknochen in einem Museum gesehen. Aus genau dieser Zeit stammt diese Technik auch. Sie galt den Walfängern auf ihren langen Fahrten als Ablenkung und Beschäftigung.

So wurden in aufwendiger Arbeit Fangszenen in Walknochen geritzt und mit Ruß sichtbar gemacht. Im Grunde ist Scrimshaw nichts anderes. Wobei ich mir kaum vorstellen kann, das auf einem wackligen Walfänger bei heftigem Wellengang zu tun. Wahrscheinlich würde ich alles gravieren, nur nicht das Werkstück. (Vielleicht sind so die Tattoos entstanden?!)

Wie dem auch sei – da lobe ich mir meine ruhige Arbeitsfläche und das Mikroskop, das mir ermöglicht, noch genauer zu arbeiten.

Und schon sind wir da, wo wir hinwollten: Scrimshaw sind kleinste, filigrane Gravuren auf meist tierischem Material, die unter dem Mikroskop gefertigt werden. Hauptsächlich kommen Knochen, Horn und fossiles Mammutelfenbein zum Einsatz. Natürlich ginge es auch auf Elefantenelfenbein, was aus ethischen Gründen ein No-Go ist. Ebenso sind Walzähne und dergleichen eher schwierig.

Dafür gibt es Elfenbeinersatz aus künstlichem Material, der sich – zumindest für meinen Geschmack – am besten gravieren lässt.

Jedes Scrimshaw-Motiv entsteht in Handarbeit und entwickelt seinen eigenen Charakter durch Linie und Struktur.

Goldene nordische Ornament-Trennlinie mit Knotenmuster auf dunklem Hintergrund.

Die Vorbereitung

Rinderschulterblatt mit Gravur einer Bogenschützin, Distrikt 12, Tribute von Panem

Die Arbeitsschritte und Techniken bleiben jedoch – egal bei welchem Material – die gleichen:

Am Anfang stehen das Zuschneiden und Schleifen. Dabei wird das Material bis in den 2000er Bereich geschliffen und anschließend poliert, denn Grundvoraussetzung ist eine spiegelähnliche Oberfläche. Jeder noch so feine Kratzer wird später auf dem Werkstück zu sehen sein. Gut, für den Kunden vielleicht nicht – aber ich sehe das unter dem Mikroskop. Und mich macht sowas wahnsinnig!

Ist das Teil dann soweit fertig, wird die Vorlage auf die entsprechende Größe gebracht. Oftmals für den Drucker ein Ding der Unmöglichkeit. Aber solange ich die Grundrisse habe, ist noch alles im grünen Bereich.

Danach kommt das Übertragen. Anhand des Beispiels „Wie bekomme ich vier Nymphen und einen stattlichen Satyr auf 3 qcm?“ dürfte jedem klar sein, dass das nicht mal eben gemacht ist. Wenn es das Motiv zulässt, versuche ich es mit Hilfe von Kohlepapier „abzuzeichnen“.

Moment! Wie hält Kohlepapier auf einer spiegelglatten Fläche?, werden sich jetzt einige fragen. Richtig – gar nicht! Deswegen wird bei dieser Übertragungsform das Werkstück zunächst hauchdünn mit Deckweiß eingerieben. So bleibt die Kohle hängen. Oder auch nicht. Das ist oftmals tagesformabhängig, habe ich das Gefühl. Mal klappt es, mal nicht.

Was aber, wenn es mal nicht klappt? Dann bleibt nur eins – das, was auch bei sehr filigranen Motiven meistens gemacht wird: Man sticht die Grundrisse durch das Papier hindurch direkt in das Material. Dabei sollte man darauf achten, tief genug zu stechen. Piekt man nämlich nur das Papier an, ist dieses zwar zerstochen, aber man hat keine Grundrisse auf dem Werkstück.

Goldene nordische Ornament-Trennlinie mit Knotenmuster auf dunklem Hintergrund.

Die Technik

Nahaufnahme der Scrimshawgravurtechnik unter dem Mikroskop, eingefärbte Punkte, Nadel

Auch ist da schon abzuwägen, welche „Gravurtechnik“ man verwenden möchte. Es gibt die „Ritztechnik“, bei der die Gravur aus einzelnen Strichen besteht, oder die „Punktiertechnik“, in der das Motiv Punkt für Punkt in das Material eingestochen wird. Bei beiden gilt: Je tiefer und enger die Striche oder Punkte gesetzt werden, desto dunkler erscheint die Fläche nach dem Einfärben.

Das Einfärben – ohne das geht gar nichts. Doch, ginge schon, nur sieht man danach nichts. Also wird nach jedem Abschnitt, nach ein paar Punkten, je nachdem, das gesamte Material mit Ölfarbe eingefärbt. Wahlweise geht auch Acrylfarbe oder – wie früher – Ruß.

Meine allerersten Gravuren (auf Trinkhörnern) habe ich damals mit eingefärbtem Bienenwachs gemacht. Das war eine ziemliche Sauerei, bis sich die Asche mit dem flüssigen Wachs verbunden hatte – und am Ende des Tages musste ich einen halben Bienenstock aus dem Fenster jagen.

Heutzutage gibt es natürlich viel einfachere Methoden, um ebenfalls nach Rom … äh, zum Ergebnis zu kommen. Und sind wir mal ehrlich: Hätten die alten Wikinger sich die Arbeit nicht auch erleichtert, wenn sie die entsprechenden Werkzeuge gehabt hätten?

Aber zurück zum Gravieren. Ist das Motiv einmal drauf, heißt es: stundenlang über dem Mikroskop sitzen und ein ruhiges Händchen bewahren – noch ruhiger als beim Trinkhorngravieren. Ich bin ein sehr ungeduldiger Mensch. Aber das kann ich. So lange, bis ich meine, mir fällt der Kopf vom steifen Nacken.

Doch zu sehen, wie das Motiv unter den Händen wächst, ist ein unbeschreibliches Gefühl. Vor allem, weil einem gerade diese Technik so viel offen lässt, was Schattierungen und „Farbgebungen“ angeht. Die Profis gravieren sogar in Farbe. Ich habe es des Öfteren versucht, bin aber kläglich gescheitert. Außerdem gefallen mir schwarz-weiße Gravuren einfach besser. Ich bin auch kein Fan von farbigen Tattoos.

Goldene nordische Ornament-Trennlinie mit Knotenmuster auf dunklem Hintergrund.

Das Werkzeug

Apropos Tattoos. Mit was wird sowas eigentlich eingestochen oder geritzt?

Kurze Antwort: Mit allem, was spitz und scharf ist. Anfangs habe ich mit einer zugeschliffenen Dartspitze angefangen. Dann kam eine Ahle. Für die Anfänge passend, gerade recht zum Ausprobieren. Aber das war mir nicht genug. Ich wollte das alles feiner haben. Denn je feiner, desto fließender sind die Übergänge.

Da war es ein glücklicher Umstand, dass ich von einem Freund einen Tattookoffer geschenkt bekam. Mit Nadeln! Perfekt!

Fast … Je mehr ich mich mit diesem Werkzeug vertraut gemacht hatte, umso „gröber“ kam es mir vor. Gerade wenn man durch das Mikroskop schaut. Da graviert man ja mit Baumstämmen! Also bin ich jetzt an dem Punkt, an dem ich meine Gravuren mit einer noch feiner geschliffenen 1er-Tattoonadel fertige.

Natürlich gibt es noch einige andere Methoden, die beim Scrimshaw verwendet werden. Aber das würde hier den Rahmen sprengen. Ich für meinen Teil bin so jetzt schon recht zufrieden, auch wenn das Ganze natürlich noch weit ausbaufähiger ist ;-).

Anhand der Bilder werdet ihr erahnen, dass so ein Werkstück nicht innerhalb weniger Tage fertig sein kann. Gerade wenn ich mit Ölfarbe arbeite, dauert es immer einen Tag, bis diese richtig getrocknet ist und nicht beim nächsten Abwischen wieder aus der Gravur gezogen wird.

Auch ist es anstrengend, zwölf Stunden am Tag durch ein Mikroskop zu sehen. Nicht nur, weil einem dann irgendwann der Kopf abfällt.

Solltet ihr jedoch Wünsche für ein spezielles Geschenk oder einfach eine Idee für euch haben, meldet euch bei mir. Ich berate euch gerne!

Goldene nordische Ornament-Trennlinie mit Knotenmuster auf dunklem Hintergrund.

An dieser Stelle möchte ich unserem Freund Manne danken. Ich habe ihn als Mentor gesehen und wahnsinnig viel von ihm gelernt. Ohne seine Unterstützung, seine Erfahrung, die er offen mit mir geteilt hat und seine aufbauenden Worte, wenn ich mal am Verzweifeln war, wäre ich nie so weit gekommen. Es tat gut, sich mit einem „Gleichgesinnten“ auszutauschen und die Challanges, welche wir untereinander ausgetragen haben, waren viel zu wenige. Uns blieb leider auch nicht die Zeit, uns öfter zu treffen und persönlich auszutauschen.

~ Vielen Dank für Alles, „Manni, das Mammut“ ~
Goldene nordische Ornament-Trennlinie mit Knotenmuster auf dunklem Hintergrund.
Platte aus künstlichem Elfenbein mit Phönix-Scrimshawmotiv
Benzinfeuerzeug mit Gravur eines Tattoostudios
Feuerzeug mit gravierter Darstellung einer nackten Frau auf rotem Stoff.
Nadelbindenadel aus hellem Material mit graviertem Seepferdchen auf Fell. Detailansicht
Nadebindenadel aus hellem Material mit graviertem Seepferdchen auf Fell.
Anhänger mit graviertem Pferdekopf in ovalem Rahmen.
Ovaler Anhänger mit Gravur eines Eselskopfes.
Anhänger mit Gravur eines bärtigen Wikingers mit Drachenboot.
Anhänger mit Gravur einer Indianerin mit Pfeil und Bogen.
Anhänger in Tropfenform mit Gravur eines Wolfskopfes.
Feuerzeug mit Gravur des Motörhead-Logos
Anhänger mit Gravur eines Tigerkopfes im Gras, daneben ein Lineal zum Größenvergleich.
Anhänger mit Gravur eines Drachen mit ausgebreiteten Flügeln.
Elchgeweih mit Gravur eines Hirsches, auf Fell liegend.
Arbeitsaufnahme beim Gravieren eines Messergriffs aus Horn, mit Vorzeichnung unter einem Mikroskop.
Handgefertigtes Messer mit Horn-Griff und Gravur eines Reiters zu Pferd.
Detailaufnahme einer Mammutelfenbeinplatte mit Gravur des Witchers während der Bearbeitung.
Detail einer Gravur auf Horn mit Darstellung eines Kriegers mit Schwert und einer knienden Person.
Goldene nordische Ornament-Trennlinie mit Knotenmuster auf dunklem Hintergrund.