Weben gehört zu den ältesten Handwerken der Menschheit. Schon in der Wikingerzeit entstanden auf einfachen Webstühlen Stoffe, Borten und Bänder für Kleidung und Ausrüstung.
Beim Weben entstehen Stück für Stück feine textile Arbeiten – inspiriert von traditionellen Techniken und mit viel Geduld von Hand gefertigt.
Auch ich habe diese alte Technik für mich entdeckt. Hier zeige ich einige meiner Arbeiten – von einfachen Borten bis hin zu handgewebten Stoffen.
Durch unser Hobby „Wikinger“ und „Reenactment“ ließ es sich gar nicht vermeiden, dass ich mit dem Weben in Kontakt kam – anfangs allerdings erst einmal mit dem Brettchenweben.
Die Möglichkeit, unsere Gewandung mit bunten Borten aufzupeppen, sprach für sich. Schon nach den ersten Versuchen war klar, dass ich einen richtigen Webrahmen brauche, um ordentliche Bänder fertigen zu können.
Aber woher nehmen?
Bilder aus dem Internet führten uns auf den richtigen Weg – und dank meines wundervollen Gatten, der sich nicht nur meinen Kopf zerbricht, sondern auch bastelt und probiert, konnte ich mich bald Besitzerin eines Brettchenwebrahmens nennen, auf den man bis zu acht Meter Borte weben kann.
Meine gewebten Arbeiten verbinden Handarbeit, Struktur und traditionelle Muster zu individuellen Textilien.
Ein kleinerer Webrahmen folgte, weil es doch immer recht aufwendig war, dieses Monster zu den Märkten zu bringen – besonders, als wir noch keinen Anhänger hatten. Da hat das ganze Lagerzeug schon gereicht.
Auf dem kleinen Rahmen gehen etwa drei Meter, und das reicht vollkommen, um den faszinierten Leuten diese Technik nahezubringen.
Sie hebt sich durch ein eindeutiges Merkmal vom „normalen“ Weben ab: Bildet beim Weben, wie wir es alle noch aus der Grundschule kennen, der Schussfaden das Muster, ist es beim Brettchenweben genau andersherum.
Durch das Drehen der Brettchen, in denen zwei, meistens vier, oft auch noch mehr Fäden geführt werden, kommt immer ein anderer Kettfaden nach oben und bildet das Muster. Je nachdem, in welcher Reihenfolge man die Brettchen aufzieht und dreht, entstehen ganz unterschiedliche Muster.
Aus den Borten sind im Laufe der Zeit einige Taschen und Schlüsselanhänger entstanden.
Aber nicht nur Muster lassen sich auf die Borten zaubern – auch Buchstaben und sogar „Bilder“. Für meine Nichte habe ich zum Beispiel eine Wolldecke gewebt und mit einer Brettchenborte mit ihrem Namen und ihrer Geburtsrune verziert. Meine beiden Neffen werden auch bald eine bekommen.
Der Gürtel „Sieben auf einen Streich“ war hingegen ein Auftrag. Die orange-weiße Borte entstand als „Test“, um zu sehen, was wirklich alles machbar ist – und hängt jetzt in unserem Wohnzimmer. Ja, ihr erkennt es … wir sind „Witcher“-Fans.
Brettchengewebte Borten gehören zur Gewandung der Wikingerzeit einfach dazu. Sie wurden früher genutzt, um Kleidung zu verzieren, Säume zu verstärken oder Gürtel und Bänder herzustellen.
Durch das Drehen der Brettchen entstehen die typischen Muster, die man heute noch aus archäologischen Funden kennt. Je nach Aufzug der Fäden und Drehrichtung ergeben sich immer wieder neue Varianten.
So entstehen nach und nach Borten mit ganz unterschiedlichen Mustern und Farben – jede einzelne von Hand gewebt und damit immer ein kleines Unikat.
Der nette Herr „Mortimer“ trat vor einigen Jahren eher unerwartet in mein Leben. Meine Recherche hat ergeben, dass er gute 100 Jahre alt ist – und mit etwas Liebe, Zuspruch und WD-40 erblühte er zu neuem Leben.
Mit ihm habe ich einige Teppiche gewebt, die begeisterte Abnehmer gefunden haben. Aber es wird mal wieder Zeit, mit ihm zu arbeiten.
Mortimer ist ja eher etwas fürs Grobe. Und grob geht bei mir nie lange gut … So „lief mir“ Mira zu – ein sechsschäftiger Webstuhl, mit dem feinere Stoffe möglich sind.
Mit der richtig gesponnenen Wolle lassen sich damit wunderschöne Einzelstücke herstellen. Bisher habe ich allerdings meistens Baumwolle aufgezogen, aus der unter anderem Kissenbezüge entstehen.
Und es fasziniert mich immer wieder, welche tollen und ausgefallenen Muster mit so einem mehrschäftigen Webstuhl entstehen. So war es mir auch möglich, für unseren Wohnwagen einen neuen Lampenschirmbezug zu weben – und die passenden Handtücher gleich dazu.
Irgendwann kam der Punkt, an dem ich merkte: Ich will mehr. Mehr Möglichkeiten, mehr Muster und vor allem feinere Stoffe als das, was mit den bisherigen Webrahmen möglich war.
Also zog schließlich ein sechsschäftiger Webstuhl bei uns ein. Mit ihm lassen sich deutlich komplexere Bindungen und feinere Gewebe herstellen. Durch die sechs Schäfte kann man die Fäden ganz anders anheben und kombinieren, wodurch sich viel mehr Varianten beim Weben ergeben.
Das eröffnet ganz neue Möglichkeiten – von dünneren Stoffen bis hin zu aufwendigeren Mustern. Und natürlich bedeutet es auch wieder: ausprobieren, tüfteln und lernen.
Also musste ein kleines Projekt her. Ein Kissen schien dafür genau richtig zu sein – groß genug, um ein Muster wirken zu lassen, aber noch überschaubar genug, dass man sich nicht völlig darin verliert.
Wie immer beginnt alles mit den Fäden. Der Webrahmen wird aufgezogen, die Kettfäden gespannt und ordentlich sortiert. Das sieht am Anfang noch ziemlich chaotisch aus – überall hängen Fäden herunter und man fragt sich kurz, wie daraus jemals etwas werden soll.
Ist alles vorbereitet, beginnt der eigentliche Webvorgang. Reihe für Reihe wandert der Schussfaden durch die gespannte Kette. Mit dem Schiffchen wird der Faden hin und her geführt, anschließend wird das Ganze mit dem Webkamm fest angeschlagen. Und dann wieder von vorn.
Langsam wächst das Muster. Anfangs erkennt man noch nicht viel, aber mit jeder Reihe wird deutlicher, wie sich die Struktur des Stoffes aufbaut. Gerade bei solchen Projekten ist Geduld gefragt, denn ein Stück Stoff entsteht nicht in ein paar Minuten.
Mit der Zeit nimmt das Gewebe immer mehr Form an, bis schließlich genügend Stoff entstanden ist, um daraus ein Kissen zu nähen. Nach dem Abnehmen vom Webrahmen wird der Stoff versäubert, zugeschnitten und schließlich vernäht.
Am Ende ist aus einer Menge einzelner Fäden ein fertiges Stück Stoff geworden – und daraus dieses Kissen. Wenn man bedenkt, wie unscheinbar das Ganze am Anfang auf dem Webrahmen aussieht, ist es jedes Mal wieder faszinierend zu sehen, was daraus entstehen kann.
Zwischendurch darf es auch einmal etwas Alltägliches sein. Nicht jedes Stück, das vom Webrahmen kommt, muss gleich ein aufwendiges Muster tragen. Manchmal reicht auch ein schlichter, sauber gewebter Stoff.
Dieser hier ist aus Baumwolle entstanden und war als Stoff für Geschirrtücher gedacht. Die farbigen Streifen entstehen dabei direkt beim Weben und lockern das Ganze ein wenig auf.
Wenn der Stoff vom Webrahmen kommt, wirkt er oft erst einmal wie ein endloses Tuch. Erst später wird er zugeschnitten, gesäumt und in einzelne Tücher aufgeteilt.
Auch solche einfachen Projekte haben ihren Reiz – und am Ende hat man etwas Nützliches in der Küche, von dem man genau weiß, wie und wo es entstanden ist.
Ein Teil meiner Arbeit wird in Zukunft noch einen Schritt weiter zurückgehen: zum Ursprung des Materials selbst.
Ich habe begonnen, mich mit dem Anbau von Flachs zu beschäftigen – vom Aussäen über die Verarbeitung bis hin zum fertigen Garn. Ein Weg, der Zeit braucht, Geduld und viele Versuche.
Ob daraus am Ende ein Stück Stoff entsteht, das vollständig aus eigener Hand gewachsen ist, wird sich zeigen. Aber genau das macht den Reiz daran aus.