


Viele Ideen
Geschichten hätte ich genug im Kopf. Bleibt nur die Frage: Welche zuerst schreiben?
Da ich schon immer Probleme mit dem Plotten hatte, habe ich vor einiger Zeit beschlossen, einen Kurs zu belegen, in dem man lernt, wie man einen Roman richtig aufbaut. Blieb die Frage, mit welcher Story gehe ich das Projekt an?
Eine Geschichte, die seit über 20 Jahren wartet
Sollte ich das Wagnis eingehen und mit der Geschichte unseres Rollenspiels ins Rennen gehen? An die zwanzig Jahre haben wir an der Geschichte geplayt, uns einmal im Jahr live getroffen und gemeinsam einige Höhen und Tiefen durchlebt. Selbst als ich in den Wehen lag haben sich meine Mitspieler zusammen gesetzt, haben gewartet und gefeiert, wie man es wohl in einer Wikingersiedlung machen würde. Natürlich nur online, aber wenn ich den Ausdruck heute in den Händen halte, muss ich noch immer lächeln.
Diese Geschichte ist mein Herzensprojekt. Etwas sehr Persönliches. Mein „Baby“.
Ich ahnte, dass meine Lehrerin mir die Geschichte komplett auf den Kopf stellen würde, nichts mehr so sein würde, wie wir es gespielt haben. Natürlich, ich war hier um zu lernen, wie man es „richtig“ macht. Aber ich hatte Angst, dass von der Geschichte, diesem innigen Gefühl, nichts mehr übrig bleiben würde. Also entschloss ich mich, eine andere Geschichte „zum üben“ herzunehmen.
Bares für Rares
Und da drängte sich doch dann tatsächlich der Satyr in den Vordergrund. Eine Figur, die durch die Sendung „Bares für Rares“ entstand. Dort stand die kleine Statuette eines kleinen Satyrs zum Verkauf, der sich verwundert an seinem Ziegenschwänzchen zieht und wohl gerade begreift, dass er anders ist als die anderen. Mich traf dieses Bild wie ein Blitz, sofort war der Gedanke da: Daraus kann man eine geile Story machen. Zig Anläufe hatte ich hinter mir, nichts hat mir gefallen. Wie meistens: Nichts zusammen gepasst. Also warf ich „Zairil“ in den Ring.
Ein Jahr Zusammenarbeit
Ich hatte eine wage Vorstellung von den Protagonisten, der Geschichte. Gemeinsam haben wir im Kurs herum gefeilt, umgestellt. Sehr oft waren mir meine Mitautoren auch eine sehr große Hilfe. Aber ein Problem blieb von Anfang an: Ich habe Zairil nie richtig „gefühlt“. Ich bin es gewohnt emotional mit meinen „Chars“ mitzugehen. Vor dem Pc auch mal Tränen zu vergießen. Das war bei Zairil nicht so. Er war halt da. Stand „unlebendig“ vor mir und hat mich desinteressiert angestarrt. Alle meine Versuche, eine Bindung zu ihm aufzubauen, schlugen fehl. Erst am Ende des Kurses begriff ich, woran es lag: Solveigh forderte ihr Recht ein.
Wenn eine Wikingerin einen Satyr schlafen legt
Mir wurde klar, dass ich für Zairil noch nicht „offen“, „frei“ genug war. Die Geschichte des Rollenspiels waberte immer im Hintergrund, immer wieder schweiften meine Gedanken nach Wotanskeld ab. Ich könnte mich jetzt noch Jahre verbiegen und versuchen, Zairils Geschichte zu Papier zu bringen. Es würde niemals so werden, wie ich mir das vorstelle. Ich will jedem Protagonisten die gleiche Aufmerksamkeit zukommen lassen. Also habe ich Zairil „schlafen gelegt“ und mich der Wikingergeschichte zugewandt. Ich denke, wenn die durch ist, bin ich frei genug für den Satyr.

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